Landwirtschaft so zeigen, wie sie wirklich ist: Wie offene Stalltüren auf Social Media Brücken zwischen Stadt und Land bauen
Fünf Stalleinblicke – Zwischen Verantwortung, Alltag und digitalem Dialog zwischen Stadt und Land
Stallluft trifft Smartphone. Tierwohl trifft Transparenz. Mit der Kooperationsreihe „Stalleinblicke -Ein Tag als Landwirt:in“ öffnet StadtLandTier gemeinsam mit der Landjugend Österreich die Stalltüren für alle, die wissen wollen, wie Landwirtschaft heute wirklich aussieht. Fünf junge Landwirt:innen geben auf Instagram und Facebook exklusive Einblicke in ihren Arbeitsalltag –der unterschiedlicher kaum sein könnte. Und doch verbindet sie alle etwas Wichtiges: Sie wollen Missverständnisse abbauen und echte Landwirtschaft sichtbar machen. authentisch, ungeschönt, nahbar. Ziel ist es, gegenseitiges Verständnis zu fördern und das Bild der modernen Tierhaltung in Österreich neu zu zeichnen.
Bergbauerneinblicke aus Tirol – Elisa und die Braunen Bergschafe
Einer dieser Stalleinblicke kommt von Elisa, die gemeinsam mit ihrer Familie einen traditionsreichen Bergbauernhof im Tiroler Oberland auf 1,100 Metern Seehöhe bewirtschaftet. Im Nebenerwerb liegt ihr Fokus auf der Zucht der seltenen braunen Bergschafe, mit rund 60 Muttertieren, drei Zuchtwiddern und jährlich bis zu 90 neugeborenen Lämmern. Insgesamt leben etwa 150 Schafe auf dem Hof, die in drei Herden gehalten und saisonal auf heimischen Bergwiesen sowie im Sommer auf einer bewirtschafteten Alm im Ötztal weiden.
Auf knapp 10 Hektar steiler, alpiner Fläche steht nachhaltige Landwirtschaft mit vielen Erschwernissen und viel Handarbeit im Mittelpunkt: Die meisten Flächen können nicht maschinell gemäht werden. Heu, Grassilage und die Pflege der Steilwiesen dienen nicht nur den Tieren, sondern auch dem Erhalt der Biodiversität, Bodenqualität und den Kräutern der Tiroler Bergwelt. Die Braunen Bergschafe sind zudem Tiroler Traditionsrasse und gelten als gefährdet.
Elisa ist es ein Herzensanliegen, mit authentischen Stalleinblicken die Vielfalt und Herausforderungen kleinerer Bergbetriebe sichtbar zu machen: „Meist stehen große Betriebe im Fokus, doch bei uns geht es um Qualität, Nachhaltigkeit und den Schutz der Bergkulturlandschaft.“ Sie möchte zeigen, wie viel Einsatz, Verantwortungsgefühl und Engagement in der Arbeit mit den Tieren stecken. "Die Beziehung zu den Schafen ist mehr als nur Beruf – es ist Leidenschaft, Respekt gegenüber der Natur und Verantwortung für die Region."
Als Landwirtin übernimmt Elisa aber noch mehr Verantwortung: Sie steht für eine Gemeinschaft, für Tradition und für die Chance, als Frau in der Landwirtschaft Vorbild zu sein. Ihr Wunsch ist ein respektvoller Dialog und mehr Wertschätzung zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft.
Einblick im Steirische Almenland: Innovation und Kreislaufwirtschaft bei Markus Milchziegen
Im steirischen Almenland, auf 750 Metern Seehöhe und rund 15 Hektar Grünland, bewirtschaftet ein weiterer Betrieb im Nebenerwerb einen kleinen, aber feinen Ziegenmilchbetrieb. Ursprünglich startete die Familie mit Schafen – als Hobby und weil sie besonders geeignet für die steilen Flächen waren. Als in der Region Ziegenmilch gefragt war, erfolgte die Umstellung: Heute leben hier 70–80 Milchziegen, überwiegend Saanen- und Bündner Strahlenziegen.
Die Besonderheit? Die gesamte Ziegenmilch liefert die einzige regionale Basis für den berühmten Almenland-Stollenkäse, der in einem ehemaligen Silberbergwerk reift und bei Weltmeisterschaften regelmäßig zu den besten Käsen der Welt zählt. Ein Teil der Milch wird direkt am Hof zu Joghurt, Frischkäse und weiteren Spezialitäten verarbeitet – verkauft wird im Hofladen rund um die Uhr.
Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Betrieb: Die Ziegen verbringen die Sommermonate täglich auf der Weide, das Futter stammt ausschließlich von hofeigenen Flächen, und für beste Futterqualität sorgt eine spezielle Rundballenbelüftung. Der gesamte Ziegenmist wird kompostiert und als wertvoller Dünger abwechslungsreich genutzt.
Was motiviert Markus seine Stalltüre für uns zu öffnen? Nach dem Titel „Bauernhof des Jahres 2024“ wächst das Interesse an der Arbeitsweise der Familie Harrer. Im direkten Austausch wird oft deutlich, wie wenig viele Menschen über Landwirtschaft wissen – oder wie sehr alte Vorurteile noch bestehen. Mit Social Media, Betriebsführungen und gelegter Offenheit wollen sie zeigen, was moderne Ziegenhaltung bedeutet: "Uns ist es wichtig, den Menschen Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität näherzubringen – und dass im echten Bauernhofleben nicht alles Hochglanz ist, sondern Handwerk, Verantwortung und Herzblut."
Wer Ziegen liebt, weiß: Jede hat ihren eigenen Charakter – neugierig, verspielt, klug. Ziegenmilch ist dabei nicht nur ein besonderes Produkt, sondern auch für viele mit Unverträglichkeiten bekömmlicher als Kuhmilch und kann sogar bei Hautproblemen wie Neurodermitis helfen – ein persönlicher Erfahrungswert der Familie.
Landwirt:in zu sein bedeutet für sie ein Leben im Kreislauf der Natur, geprägt von Verantwortung gegenüber Tieren, Boden und Umwelt – und von Stolz, echten Lebensraum zu erhalten. Ihr Wunsch für die Zukunft: Mehr Wertschätzung, mehr Verständnis und mehr Offenheit gegenüber der Landwirtschaft und den Menschen, die tagtäglich die Basis für unsere Lebensmittel legen.
Mit „StadtLandTier“ werden Elisas und Markus Geschichten sichtbar – für mehr Klarheit, Respekt und Dialog zwischen Stadt und Land, Konsument:innen und Landwirt:innen.
Hier geht’s zu den vollständigen Beiträgen:
Wenn auch du deine Stalltüren öffnen möchtest, melde dich gerne unter folgender Adresse: zottl@nutztier.at
Quelle: NTÖ (Nachhaltige Tierhaltung Österreich)
Fotos : Elisa Thurner und Markus Harrer



09.09.2025Zurück
